Restaurant Mitropa
Agentur Kriwomasow: RESTAURANT MITROPA
Peter Göhler und Andreas Kebelmann
Im leeren ehemals prunkvollen Saal der Mitropa-Gaststätte im Bahnhof von Wittenberge hallen die eigenen Schritte über das Parkett. An der Stelle des Tresens liegt der alte Teppichboden abgenutzt im Raum. Die Uhr in der Mitte des Saals ist stehengeblieben, der Durchgang mit der Aufschrift „Zentrum” schon seit langem zugemauert.
An einzelnen Tischen, mit Tischdecken, Plastikblumen und Kaffeeservice gedeckt, wird den Gästen und Zuhörern der Installation „Restaurant Mitropa” neben Getränken eine graue Box serviert. In der Box Postkarten aus der aller Welt, Ansichtskarten aus Wittenberge, einzelne Erinnerungen an die „Stadt der Nähmaschine” und ein mp3-Player, auf dem ein 45-minütiges Hörspiel die Zuhörer einlädt, in der Ruhe des Raumes den Stimmen aus den Kopfhörern zu lauschen. Nur die regelmäßig vorbeirauschenden InterCity- und Güterzüge sowie die Ansagen des Bahnhofspersonals untermalen das Hörspiel.
Aus der Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern in Wittenberge ist ein O-Ton Hörspiel entstanden, dass viele Stimmen und Stimmungen der Stadt auffängt, die in den von den Soziologen und Ethnologen geführten Interviews anklingen. Die Menschen erzählen von ihrem Alltag, den Familien und der Arbeit, formulieren Hoffnungen für die Zukunft und stellen Fragen an die Gegenwart.
Der Zuhörer begleitet akustisch die Wissenschaftler mit ihren Fragestellungen durch die Stadt und nimmt die Empfindsamkeiten, Ressentiments und Hoffnungen der Anwohner wahr. Beobachtende und beschreibende Texte der Soziologen und Ethnologen und die Geräusche des Bahnhofs geben den Rhythmus für diese Reise vor. Bis der letzte Zug auf dem Kopfhörer verrauscht ist und dem Besucher die Möglichkeit bleibt, die eigenen Wünsche, Erfahrungen und Erinnerungen auf einer Postkarte für das Archiv zu hinterlassen.
Die Installation ist im Büro des Projektverbunds in der Bahnstraße 61 in Wittenberge aufgebaut und kann zwischen Dienstag-Freitag oder nach telefonischer Absprache besucht werden.
